Blickpunkt Rosenheim 28/7/2012


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Rosenheimerin als Straßenpianistin unterwegs

Gestern Oslo, heute Rosenheim und morgen Budapest. Wer Vroni Holzmann vergangene Woche auf dem Max-Josefs-Platz in Rosenheim Klavier spielen hörte hatte die Chance eine seltene Begebenheit zu erleben.
Vroni, ursprünglich aus Rosenheim und jetzt im schottischen Edinburgh wohnhaft, ist auf Europa-Tour und hat ihr Klavier immer im Minibus dabei. Sie erfreut Passanten in Fußgängerzonen und auf Marktplätzen mit Ragtime, frühem Jazz und Boogie Woogie. Diesen Sommer hat sie schon eine weite Reise hinter sich. Ihr kleines Steingräberklavier war schon in Oslo, Stockholm, Riga, Wroclaw, Konstanz, St Gallen, ­Vaduz und einigen anderen Städten zu sehen und zu hören.

 


Foto: privat


Blickpunkt wollte wissen, wie es dazu kam:

Die meisten Pianisten träumen von großen Konzertsäle – was treibt Dich mit Deinem Klavier auf die Straße?
Ich wollte mein Klavier dorthin bringen wo es jeder erleben kann - jung und alt, arm und reich - und eine entspannte Atmosphäre schaffen. Diese soll dazu anregen, dass man den Alltag vergisst und in die Musik abtaucht, dass man seine Sorgen vorübergehend beiseite schiebt, etwas Schönes erlebt – ganz unverhofft.
Zudem finde ich es sehr wichtig, dass in der Innenstadt verschiedene, auch ungewöhnliche Dinge passieren. Früher kamen Zirkusleute und Gaukler auf den Marktplatz, das ist etwas Tolles, Buntes und zeigt den Menschen, dass auch sie etwas Ungewöhnliches machen können. Es inspiriert also die Seele und regt an Kunst zu machen und zu genießen.
 
Auf Deinem Klavier sind viele europäische Städtenamen zu lesen, was hat es damit auf sich?
Ich reise seit 2000 mit meinem Klavier durch Europa. Jede Stadt, die auf meinem Klavier steht wurde besucht und mit Klaviermusik auf dem Marktplatz bedacht. Ich habe Künstlerfreunde gefunden, die mit schönen Schriftzügen mein Klavier verzieren und die gespielten Städte verewigen. Zuhörer finden es interessant nachzulesen, wo das Klavier schon war und sprechen mich oft darauf an. Sie freuen sich, wenn ich auch in ihrer Heimatstadt gespielt habe.

Wo warst Du schon überall mit Deinem Klavier? Welche Länder und Städte haben besonders Spaß gemacht?
Diesen Sommer waren wir schon in Skandinavien, haben in Oslo und Stockholm gespielt, sind dann über die baltischen Staaten nach Rosenheim gekommen. Wir waren jeden Tag in einem anderen Land. Von den Ländern sind Deutschland und Großbritannien besonders gut zum Spielen. In Großbritannien braucht man keine Genehmigung, in Deutschland kriegt man sie mit relativ wenig Aufwand. Italien und Frankreich sind besonders schwierig, Genehmigungen zu beantragen ist kompliziert und wenn man ohne spielt kommen vier Polizisten mit todernsten Mienen und umringen die arme kleine Straßenmusikerin um sie zu verscheuchen. So geschehen in Verona. Moralisch war ich aber die Siegerin, die Passanten stritten mit der Polizei und kämpften dafür, mich spielen zu lassen. Man kann in die tollste Stadt fahren und nichts als Probleme kriegen, und man kann sich in einem Ort, der unwahrscheinlich scheint, Erfolg haben und dort die tollsten Geschichten erleben.

Wie kommst Du in Rosenheim an?
Leider schaffe ich es nur alle paar Jahre mein Klavier aus Schottland rüberzubringen. Die Rosenheimer sind meist sehr begeistert. Ich bin hier aufgewachsen und komme sehr gerne mit meinem Klavier „nach Hause“. Dieses Jahr hatte ich auch besonderes Glück und fand einen Sponsor meines Kunstprojekts: Herr Bräunlein von der Firma Bredschneider hat kostenlos mein Klavier gestimmt, damit die Rosenheimer ein noch besserer Hörerlebnis hatten.
 
Wie reist Du mit Deinem Piano?
Das Klavier reist im Minibus in der Welt herum. Zum Entladen brauche ich die Hilfe von zwei bis drei starken Leuten. Dafür spreche ich Passanten an mit der unschuldigen Frage: Können Sie mir bitte was ausladen helfen? Sie sind dann meist recht erstaunt, wenn sie feststellen, dass es sich um ein Klavier handelt. Bei meinem Besuch in Rosenheim habe ich damit zwei OVB-Mitarbeiter „erwischt“. Sie halfen mir auch netterweise dabei das Klavier auszuladen und schmunzelten: „Jetzt wissen sie auch mal wie das Klavier in die Fußgängerzone kommt.“ Wenn ich auf eine weite Reise gehe frage ich oft Freunde ob sie mich begleiten.

Bei Deinen Straßen-Konzerten erlebst Du bestimmt einiges?!
Als ich anfing Klavier auf der Strasse zu spielen, hatte ich noch einen Stoffhut. Eines Tages als ich im Park spielte hat mir den mal so ein kleiner Mops weggeschleppt – samt Kleingeld. Daraufhin habe ich mir einen Hut getöpfert, der wiegt bissl was, den schleppt mir so schnell kein Mops weg.
Bei einer Tour nach Venedig kamen wir zwar samt Klavier mit der Fähre auf die Insel, jedoch war das bei der Rückreise nicht mehr so einfach. Keine der Fähren wollten uns mitnehmen: „Nein, für Klaviere ist kein Platz!“, hieß es von allen Seiten. Wir erzählten dann einem netten Cafeinhaber von unserer Situation und Hilfe kam auf den Fuß. Kurzerhand wurde mein Klavier auf ein kleines wackliges Motorboot gepackt und durch die Wasserstrassen Venedigs getuckert. Natürlich nutzte ich diese außergewöhnliche Location sofort um auf die Weise Anwohner und Passanten mit meiner Musik zu beglücken.
Ein kleines Boot fuhr vorbei mit einem Klavier darauf, und ein Mädchen spielte Jazz und Boogie Woogie.

Man kann diese Szene im Internet anschauen unter tiny.cc/venedig. Auch ein Mitschnitt von zehn Jahren Strassenklavier ist im Internet zu sehen unter tiny.cc/streetpiano. Mein aktuelles Tourtagebuch ist zu finden unter streetpiano.blog.com.

 

English Translation:

Streetpianist from Rosenheim on Travels

Yesterday Oslo, today Rosenheim and tomorrow Budapest: If you heard Vroni Holzmann play piano last week on the Max-Josefs-Platz you got the chance to experience a rare event.
Vroni, originally from Rosenheim and now living in Edniburgh, Scotland, is on a tour of Europe and always has her piano with her in a minibus. She delights passers-by in pedestrian zones and market places with ragtime, early jazz and boogie woogie. This summer she has had a far travel already. Her little Steingraeber piano has already been seen and heard in Oslo, Stockholm, Riga, Wroclaw, Constance, St Gallen, Vaduz and several other cities.

Blickpunkt wanted to know how it happened:

Most pianists dream of big concert halls – what inspires you to take your piano to the street?
I wanted to bring my piano to a place where everybody can experience it - young and old, poor and rich - and create a relaxed athmosphere. This i

Ich wollte mein Klavier dorthin bringen wo es jeder erleben kann - jung und alt, arm und reich - und eine entspannte Atmosphäre schaffen. This can encourage people to forget everyday life and enjoy the music, they can forget about their problems and experience something beautiful - and totally out of the blue. I also think it is very important that different and unusual things happen in city centres. Previously circus jugglers came to the market places, which is a great, colourful event and shows people that they, too, can do something extraordinary. It also inspires the soul and encourages people to create and enjoy the arts.
 
There are many city names on your piano, how come?
Ich reise seit 2000 mit meinem Klavier durch Europa. Jede Stadt, die auf meinem Klavier steht wurde besucht und mit Klaviermusik auf dem Marktplatz bedacht. Ich habe Künstlerfreunde gefunden, die mit schönen Schriftzügen mein Klavier verzieren und die gespielten Städte verewigen. Zuhörer finden es interessant nachzulesen, wo das Klavier schon war und sprechen mich oft darauf an. Sie freuen sich, wenn ich auch in ihrer Heimatstadt gespielt habe.

I travel with my piano in Europe since 2000. Every city on my piano was visited and entertained with piano music on the market square. I found artist friends who decorated my piano with beautiful city names of where I played before. Listeners find it interesting to read where the piano has been and often talk to me about this. They are happy when they realise I have played in their hometown before.

Where have you been with your piano? And which countries and cities wer particularly fun to play in?

This summer we have already been to Scandinavia, Oslo and Stockholm, and then drove via the Baltic States to Rosenheim. We were in a different country every day. Of all the countries Germany and the UK are particularly good for playing. In the UK you don't need permission to play, in Germany can get permission with relatively little effort. Italy and France are particularly difficult, to obtain permission is complicated. If you play without permission four policemen come with serious faces and surround the poor little street musician to chase her away. This happened in Verona. Morally I was the winner though, the passers-by argued with the police and fought with them to let me play. You can drive into the greatest city and get nothing but problems, or you can go to a place that seems unlikely to succeed andexperience the most amazing things.

Wie kommst Du in Rosenheim an? How are you received in Rosenheim?
Unfortunately
I only manage to bring my piano over from Scotland every few years. The people in Rosenheim usually love it. I grew up here and am very happy to come "home" with my piano. This year I also got very lucky and found a sponsor for my art project: Mr. Bräunlein of the company Bredschneider tuned my piano for free, so that folk in Rosenheim had an even better listening experience.
 
How do you travel with your piano?
The piano
travels around the world in a minibus. To unload it I need the help of two or three strong people. For this I ask passers-by the innocent question: Could you please help me unload something? They are usually quite surprised when they find out that it is a piano. During my visit in Rosenheim I managed to "catch" two-OVB employees this way. They kindly helped me to unload my piano and grinned: "Now we know how you get the piano into the pedestrian area." When I go on a long journey I often ask friends if they would like to travel with me.

You probably have some amazing experiences with your street concerts?!
When I began
to play piano on the street I still had a hat made of fabric. One day when I played in the park a little pug dragged it away - with all the money in it. After this I pottered a hat out of clay, this is heavy, no small pug will easily carry it away.
During a tour
to Venice we managed to take the piano by ferry to the island, but it wasn't so easy on the way back. None of the ferries wanted to take us across: "No, there is no space for pianos," they called out. We then told a nice cafe owner of our situation and help was on its way. Without further ado my piano was packed on a small rickety boat and taken through the waterways of Venice. Of course I took advantage of this extraordinary location and entertained residents and passersby with my music.
A small boat
travelled by with a piano on it and a girl who played jazz and boogie woogie.

You can
watch this scene online at tiny.cc/venedig. The film Ten Years of Streetpiano is available at tiny.cc/streetpiano. My current tour diary can be found at streetpiano.blog.com.